Geschichte

Theresia Anna Felicitas Prinzessin Liechtenstein, vierte Tochter des Fürsten Johann Adam Liechtenstein, wurde 1713 im Alter von 19 Jahren dem Prinzen Thomas Emanuel von Savoyen-Carignan, einem Neffen des berühmten Prinz Eugen, vermählt. Bereits 1729 verwitwet verfügte sie über ein großes Vermögen, das sie für diverse wohltätige Zwecke verwendete. Auf ihren Gütern hob sie die Leibeigenschaft auf und förderte das Schul- und Spitalwesen 1756 stiftete die Herzogin die Savoyensche adelige Ritterakademie, die 1778 im Theresianum aufging.

Neben vielen anderen Legaten bestimmte die Herzogin in ihrem Testament von 1769, in dem sie den Fürsten Alois Liechtenstein zu ihrem Universalerben einsetzte, ein adeliges Fräuleinstift. In der Stiftungsurkunde steht unter anderem: Vor allen anderen die Ehre Gottes, und der Nutzen des Nächsten, so da sonderbahr durch die Versorgung deren armen Adelichen Persohnen auß solcher Gutthätigkeit entspringet, zumahlen die Armuth bey Adelichen Persohnen, umb so viel mehr bedrangt seyn muß, alß selbe weniger durch die Hand-Arbeith, oder andere denen unteren Ständen geziemmende Mittl kann verringert oder abgethan werden.
Die 20 Stiftsdamen sollten von altem Adel, bei der Aufnahme zwischen 15 und 40 Jahre alt sein, nicht mehr als 4000 Gulden Vermögen besitzen und Waisen oder vaterlos sein. Sie wohnten im Stiftsgebäude, hatten Andachtsübungen zu verrichten und schwarze Kleidung mit dem Ordenszeichen zu tragen, durften aber ausgehen, verreisen und sogar heiraten. Ursprünglich stand dem Stift eine Oberin vor, seit der Zeit Kaiser Josephs II wählten die Stiftsdamen 3 Regentinnen.

Als Stiftungshaus diente das ehemalige Wohnhaus der Herzogin in der Johannesgasse 15, das aber bald für die Stiftsdamen und ihre zahlreiche Dienerschaft zu klein wurde, sodass 1783 die benachbarte Liegenschaft erworben wurde. Dieses 1780 erbaute Haus wurde adaptiert und mit dem Savoyenschen Haus verbunden.

Die Stiftung stand unter dem Patronat des jeweils regierenden Fürsten von Liechtenstein. 1997 wurde das Patronat des Fürsten gelöscht, die Stiftung besteht in etwas geänderter Form weiter und wird von einem Kuratorium geleitet. In den beiden Häusern Johannesgasse 15 und 17 werden nun Büro- und Wohneinheiten vermietet.

Das Haus Johannesgasse 15 beeindruckt durch die beiden prächtigen, mit Putti, Wappen und der Fürstenkrone geschmückten Portale, wovon eines seit langer Zeit vermauert ist. Mittig in der Fassade im Bereich des ersten Geschoßes befindet sich ein Abguss der Figurengruppe der Maria Immaculata, ein Hauptwerk Franz Xaver Messerschmidts. Das Original fand Aufstellung im Liechtensteinmuseum.

Der stimmungsvolle Hof des Stiftsgebäudes wird von einer hohen Mauer umschlossen, deren Nordostwand um 1770 durch architektonische Gliederung und Illusionsmalerei als prospektartige Schauwand gestaltet wurde. Das Fresko stellt die Allegorie der weisen Wohltätigkeit dar. Darunter befindet sich ein Brunnen mit einer Figurengruppe – eine junge Frau gießt Öl aus einer Kanne in Gefäße, die ihr von zwei Knaben gereicht werden. Flankiert wird der Brunnen von zwei liegenden Löwen. Die Originalfigurengruppe von Franz Xaver Messerschmidt kann ebenso wie die Fassadenfigur im Liechtensteinmuseum besichtigt werden.

Im 1. Stock des Hauses Johannesgasse 15 befinden sich die ehemaligen Repräsentationsräume, deren Decken mit reichen Stuckdekorationen geschmückt sind. Besonders bemerkenswert ist der farbig gefasste figurale Deckenstuck des ehemaligen Tafelzimmers: Hier scheinen exotische Gestalten hinter einer Brüstung zu wandeln, gemalte Scheinarchitektur gibt dem Raum zusätzliche Tiefe. Die ursprüngliche barocke Kalkfassung wurde bei einer Restaurierung 1894 mit Leimfarbe großteils überfasst.
Die Wandflächen hinter den barocken Kaminen zeigen noch Teile der wahrscheinlich umfangreicheren freskalen Ausstattung.

 

 


 

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