Geschichte
Dieses bedeutendste der Liechtenstein-Palais wurde 1694
von Fürst Johann Adam von Liechtenstein um 115.000 fl von Graf Kaunitz in
halbfertigem Zustand erworben und von dem aus Lucca stammenden Architekten
Domenico Martinelli unter Einsatz bedeutender Künstler, wie dem Stuckateur
Santino Bussi, dem Bildhauer Giovanni Giuliani und den Malern Andrea Lanzani und
Antonio Bellucci fertiggestellt. Der ursprüngliche Entwurf für den Palast stammt
vom kurbayerischen Hofbaumeister Henrico Zuccali, der wiederum die Fassade des
römischen Chigi-Odescalchi-Palastes von Bernini als Vorbild nahm. Unter
Martinelli kam es zu einer grundlegenden Umgestaltung der Fassadenpläne Zuccalis
– die Grundstruktur des Gebäudes war bereits vorhanden und konnte nicht mehr
geändert werden – es entstand der damals modernste und repräsentativste
Palastbau Wiens. Durch den Zukauf von Baugrund im Osten konnte der Hof um
zwei Achsen erweitert und
der vierte Trakt geschlossen werden, eine äußerst wichtige Ergänzung für
die Geschlossenheit der Anlage.
Um eine rasche Fertigstellung des wichtigen Majoratshauses zu gewährleisten,
wurden Handwerker und Künstler vom damals bereits in Bau befindlichen
Gartenpalais in der Rossau abgezogen und hier eingesetzt. 1705 war das Palais
weitgehend fertiggestellt. Während des Baus kam es wegen der gegenüber den
Plänen Martinellis geänderten Ausführung des Prunkstiegenhauses zu einem
schweren Zerwürfnis zwischen Martinelli und dem Fürsten, das sogar soweit ging,
dass Martinelli ein Manifest drucken und öffentlich anschlagen ließ, in dem er
sich von der Ausführung distanzierte. Da es keine authentischen Dokumente mehr
gibt, können die Gründe dafür nur vermutet werden: Einerseits widerspricht der
überaus reiche dekorative Schmuck des Stiegenhauses dem Stil Martinellis,
andererseits traten beim Bau der Stiege gravierende statische Mängel auf, die
jeder Beteiligte zurückzuweisen versuchte. Trotz dieser Ablehnung Martinellis
gilt das Stiegenhaus zu Recht als eines der schönsten Wiens und gerade die
Kombination der gegensätzlichen Stilmittel, das strenge Raumgerüst und die
überbordende Dekoration durch Statuen, Wandreliefs, Vasen, Puttengruppen und
Rankenbrüstungen macht den Reiz dieser Stiegenanlage aus. Wie auch im
Gartenpalais griff der Fürst beim Stadtpalais aktiv in die Gestaltung des Baus
und vor allem der Ausstattung ein.
Für die vom Stil Martinellis
abweichende Gestaltung des Stiegenhauses und die Ausführung des Seitenportals
zum Minoritenplatz wird die Mitwirkung von Johann Lucas von Hildebrandt
angenommen. Das Palais wurde von Fürst Johann Adam als Residenz errichtet, es
musste Wohnraum und alle notwendigen Flächen zur Hofhaltung bieten. Küche,
Bäckerei und einzelne Wohnräume der Dienerschaft lagen im Erdgeschoß, im 1.
Obergeschoß, dem Piano Nobile, waren die repräsentativen fürstlichen
Appartements, die durch das große Treppenhaus erschlossen wurden. Die Treppe
führt in das 2. Obergeschoß, das bereits während der Bauzeit als Secondo Piano
Nobile bezeichnet wurde, in dem sich der Festsaal befand und die Fürstlichen
Sammlungen präsentiert wurden. Dies zeigt die Bedeutung, die der Fürst seiner
Galerie beimaß. Bereits 1705 schreibt Casimir Freschot in seiner Relation
von dem käyserlichen Hofe zu Wien: „Aber unter allen leuchtet derselbe
palast vor welchen der Fürst Adam von Liechtenstein bauen läßt“. Die
prachtvolle Ausstattung mit Stein, Marmor, Stuck und Gemälden italienischer
Meister begeisterte die Zeitgenossen.
Einige Räume wurden in der
Folgezeit vom Maler Jonas Drentwett, der im Unteren Belvedere den Groteskensaal
schuf, ausgestaltet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgten
Umbauten durch den französischen Architekten Isidor Carnevale.
Seit der
Modernisierung des älteren liechtensteinischen Palais in der Herrengasse durch
Joseph Hardtmuth um 1790 unter Fürst Alois Josef I verlor das Palais in der
Bankgasse seine Bedeutung und diente nicht mehr als Residenz. Zwischen 1807 und
1810 erfolgte die Transferierung der Galerie in das Gartenpalais in der Rossau
und 1819 folgte die Verlagerung der Deckengemälde Belluccis, die in die
Deckenspiegel des Gartenpalais einerseits durch Verkleinerung und andererseits
durch Vergrößerungen und Ergänzungen eingepasst wurden.
Einige Zeit war
das Palais vermietet, die Fürstenfamilie bewohnte das Palais in der Herrengasse
und während des Umbaus in der Bankgasse das Palais Rasumofsky in der Landstraße.
Nach seinem Regierungsantritt 1836 begann Fürst Alois Josef II mit dem Umbau des
Palais in der Bankgasse. Eine der ersten Maßnahmen, die gesetzt wurden, war die
Verbreiterung des Bankgassentraktes um eine Achse in den Hof, sodass im 1. und
2. Stock ein Gang entstand, der die Repräsentationsräume erschloss.
Ab
1837 erfolgte eine umfassende Umgestaltung des Barockpalais durch den englischen
Architekten Peter Hubert Desvignes, der das bedeutendste Interieurensemble des
2. Rokoko in Wien schuf. Der Festsaal im 2. Stock erfuhr die größten
strukturellen Veränderungen: Der ursprüngliche Raum wurde durch Einstellen von
Wänden an den Schmalseiten und eine neue Deckenkonstruktion verkleinert, konnte
aber durch drehbare und hochziehbare Türen und Fenster optisch erweitert werden.
Hier konnte Devignes seine Ideen, auch räumlich, voll verwirklichen – in allen
anderen Räumen musste er sich dem vorhandenen Raumgerüst anpassen und die
bestehenden Stuckaturen, sowie teilweise Dekorelemente einbeziehen. Die
prachtvollen Parkettböden mit Einlegearbeiten aus den verschiedensten Hölzern,
sowie die sogenannten „Laufsessel“ aus Bugholz, durch ihre Leichtigkeit
bequem verstellbar, waren eine der ersten Arbeiten von Michael Thonet in
Wien. Neben der außerordentlichen handwerklichen Qualität der Ausstattung
beeindrucken die technischen Raffinessen, die Devignes einbauen lässt, eine
Aufzugsanlage über 4 Stockwerke, eine hausinterne Sprechanlage mit
Correspondenzschläuchen aus Kautschuk und Seide mit Elfenbeinmundstücken und
eine Heißluftheizung, deren Ausblasöffnungen teilweise kunstvoll in
Kandelabersockeln oder Wandverkleidungen integriert wurde. Eine technologische
Neuerung bedeuteten auch die Zinkgüsse für verschiedenste
Dekorelemente.
Der Eröffnungsball am 16. Februar 1848 war ein großes
gesellschaftliches Ereignis und die auch durch die enormen Kosten von ungefähr 4
Millionen Gulden herausragende Adaptierung des Palais fand großes Echo in der
Gesellschaft und der Presse.
In den letzten Kriegstagen 1945 wurde das
Stadtpalais durch Bombentreffer und ein abstürzendes Flugzeug schwer beschädigt.
Die größten Schäden entstanden im Trakt Löwelstraße, das Dach wurde vollkommen
zerstört. die Decke über der Prunkstiege stürzte ein und die prachtvollen Räume
im 2. Stock erlitten schwere Schäden. In den ersten Nachkriegsjahren wurden
Sicherungsarbeiten durchgeführt und die ärgsten Beschädigungen behoben. Durch
die Verluste des Krieges waren aber keine finanziellen Mittel vorhanden, das
Stiegenhaus und die Prunkräume des 2. Stockes zu restaurieren. Erst 1974 konnte
mit den Wiederherstellungsarbeiten für die Prunkstiege begonnen werden. Man
entschied sich, den barocken Deckenspiegel zu rekonstruieren, allerdings ohne
die leider verloren gegangenen Deckengemälde von Andrea Lanzani und auch der
während der Umbauphase Mitte des 19. Jahrhunderts hinzugefügte schablonenhafte
Stuckdekor Devignes in den Deckenspiegeln wurde nicht wieder ergänzt. Die
Restaurierungsarbeiten konnten 1976 abgeschlossen werden.
Zurzeit läuft
die Planung für eine Revitalisierung dieses einzigartigen Palais, das durch das
Kunstverständnis seiner Besitzer bereits mehrmals im Laufe seiner Geschichte für
Aufsehen und Bewunderung sorgte.
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